Antifa Jugend Brandenburg – die kennen wir doch?
Als mit der Wiedervereinigung die Neonaziszene auch in Brandenburg an der Havel rasant wuchs und es die ersten Übergriffe auf alternative Jugendlich gab, war die Gründung einer Antifa-Gruppe zur besseren Organisation und Selbstverteidigung unabdingbar, wie ein Gründungsmitglied formulierte:

»Es war die Zeit kurz nach der Wende. Die in der DDR herangewachsenen Jugendlichen betraten einen luftleeren Raum ohne Schranken und Gesetze. Es war wie im Wilden Westen. Die vermeintlich stärkere Gruppe bestimmte das Leitbild vieler Jugendlicher. Es waren die Jahre, in denen das braune Pack Raum für sich beanspruchte, die Jahre in denen ich nicht ohne Schreckschußpistole aus dem Haus ging. Spätestens als sie etliche von uns verfolgten und verprügelten, als sie „Seppel“ die Nase brachen oder „Mike“ ein Messer in den Rücken rammten war es an der Zeit sich zu organisieren und dem braunen Mob Paroli zu bieten. Die Antifa Jugend Brandenburg war geboren.«

Die 1990 gegründete Antifa Jugend Brandenburg war fast 10 Jahre aktiv und kämpfte gegen die verschiedenen Neonazigruppierungen in der Stadt. Als im Jahre 1996 der alternative Jugendliche Sven Beuter ermordet wurde, organisierten sie Kundgebungen und Demonstrationen. Durch die Präsenz auf der Straße und den stetigen Kampf gegen Neonazis, wurde es nach 1998 wieder ruhig in der Stadt.

Zu den damals aktiven neonazistischen Gruppierungen gehörte unter anderem auch die Partei Nationalistische Front. Ihr gehörten in der Havelstadt mindestens 18 Personen an, wie aus einem parteiinternen Dokument hervorgeht. Nach dem Verbot im Jahre 1992 wurde es kurzzeitig etwas ruhiger. Um die Neonazis weiter zu befrieden, bekamen sie ein Jugendzentrum am Wiesenweg mit dazugehörendem Sozialarbeiter. Dies führte, nicht wie erhofft zu einer Schwächung, sondern zu einer Stärkung der Szene. Rund um das Gebäude kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Antifaschist_innen und Neonazis. Am Abend des 31. März 1993 stand dann der Dachstuhl des Jugendzentrums in Flammen und es musste aufgrund der immensen Schäden geschlossen werden. Die Spirale der Gewalt drehte sich immer weiter, bis zum Abend des 15. Februar 1996. An diesem Tag wird ein junger Alternativer von einem Neonazi derart brutal zusammengeschlagen, dass er am 20. Februar verstirbt. Danach wird es ruhig um die lokale Neonaziszene. Sie treten zwar weiterhin in der Stadt auf, ihre gewalttätigen Aktionen verlagern sie jedoch auf die umliegenden Dörfer und Städte. Bis sie letztendlich auf ein sehr geringes Niveau absinken. Die so entstehende Lücke wird in den frühen 2000er Jahre durch die DVU und später die NPD und Kameradschaften gefüllt. Die Antifa Jugend Brandenburg löst sich in diesem Zeitraum ebenfalls auf.

Seither gab es in der Stadt immer mal wieder neonazistische Gruppierungen und entsprechende antifaschistische Intervention, aber jeweils nur über relativ kurze Zeiträume. In den letzten Monaten hat sich jedoch die Situation in Brandenburg an der Havel und den umliegenden Dörfern und Städten zum negativen verändert. Anfang des Jahres marschierte der brandenburgische PEGIDA-Ableger BraMM (Brandenburger für Meinungsfreiheit und Mitbestimmung) insgesamt fünfmal in der Stadt auf. Die neonazistische Splitterpartei »Der III. Weg« gab hier die Gründung des Stützpunktes »Potsdam/Mittelmark« bekannt. Hinzu kommen zahlreiche Kundgebungen der NPD, freier Kameradschaften und anderer neonazistischer Organisationen wie die »Gefangenenhilfe« und »Ein Licht für Deutschland«. Zeitgleich kommen immer mehr Geflüchtete in die Havelstadt, die von Neonazis und rassistischen Bürger_innen beleidigt, bespuckt und diskriminiert werden.

Aus diesen Gründen haben wir uns, Parteimitglieder, Mitglieder von Jugendverbänden, Antifaschist_innen und Geflüchtetensupporter_innen sowie Einzelpersonen zusammengeschlossen um gemeinsam gegen Neonazis und Rassist_innen auf die Straße zu gehen und um zu zeigen, dass Brandenburg an der Havel es nicht zulassen wird, das Neonazis und Rassist_innen sich hier etablieren. Aus diesem Grund werden wir am 20. Februar auf die Straße gehen und an die Tradition der Antifa Jugend Brandenburg anknüpfen, in dem wir eine antifaschistische Kampagne mit dem Titel »fighting for 20 years« organisieren, deren Abschluss eine Gedenkdemonstration am 20. Februar 2016 bildet.

Bildet euch!
Organisiert euch!
Wehrt euch!

Antifa Jugend Brandenburg